Von: Alfred Drossel | Ludwigsburger Kreiszeitung
Jetzt sitzt die Prinzessin im Schloss auf dem Thron
Im Handstreich, ohne großen Widerstand, hat die vereinte Narrenschar das Schloss gestürmt. Dort sitzt jetzt Prinzessin Rebecca I. auf dem Thron. Zum zweiten Mal wurde das Schloss von den Narren eingenommen, nachdem es im Rathaus nichts mehr zu holen gibt.

Schloss-Chef Ulrich Krüger muss die Schlüssel an Prinzessin Rebecca I. übergeben. Nun sitzt sie auf dem Thron.

Vom Kaffeeberg geht der Umzug Richtung Schloss.

Applaus der Eglosheimer Bienchen.

Die Alten Kameraden marschieren im Takt.
Der Leiter der Schlossverwaltung, Ulrich Krüger, ist jetzt persönlicher Kammerdiener der Prinzessin. Oberbürgermeister Werner Spec wurde aufgefordert, das Parken in allen Gassen kostenlos zu gestatten und der entmachtete Gemeinderat hat die Kehrwoche im Schloss zu machen. Neue Zeiten kehren bis Aschermittwoch ein.
Der Aufwand für diese Machtübernahme war groß. Fast Tausend Narren aus der ganzen Region waren aufmarschiert. Sie versammelten sich auf dem Rathausplatz. Während sich die Guggenmusiker, Gardemädchen und Elferräte draußen kalte Füße holten, gab es im Ratssaal beim Zunftmeisterempfang Sekt, Orden und Küsschen. OB Werner Spec, Hofmarschall Tommy, Prinzessin Rebecca I. und Alte-Kameraden-Chef Roland Miller verteilten Jahres- und Prinzessinnenorden.
Tambourmajor Peter Reichert vom Spielmannszug der Alten Kameraden hob den Stab und Adolf Gast vom Infanterieregiment 121 Alt-Württemberg ließ seine Kanoniere an der Kanone antreten. Diesmal durfte, außer auf der Bundesstraße, auch geschossen werden. Nur mit dem Starenschreck zwar, aber es knallte dennoch heftig.
Der Cannstatter Büttel mit seiner Bütteline führte den Umzug durch die Innenstadt zum Schloss an. Es folgten 36 Gruppen. Darunter die Rheinische Garde Blau Weiß Düsseldorf, die Stuttgarter Zigeunerinsel, die Schwaikheimer Sumpfgoischter, die Gugga Gäßlesfetzer aus Murr, natürlich die Mistelhexen, Gardemädchen, Guggenmusiker, Maskengruppen und viele andere Maskenträger.
Am Schloss stieß die Narrenschar nur auf geringen Widerstand. Schlossherr Ulrich Krüger mit Kammerdiener Johann, lieferte aus erhöhter Warte ein Duell mit Worten, unterbrochen durch dumpfe Knaller aus der Kanone. Alle Traditionsfiguren aus dem Schloss, Venezianer, Hofschranzen, Soldaten und Bürger stellten sich der bunten Narrenschar. Guggenmusiker und Gardemädchen von Titzo Ditzingen waren schon vor dem Sturm übergelaufen und verteidigten das Schloss. Da muss man wissen, dass Schloss-Chef Ulrich Krüger elf Jahre Elferrat in Ditzingen war, wo er seine Frau Elfi, damals die Leiterin der Gardemädchen, kennengelernt hat.
Der Sturm gelang schließlich und die Narren behaupteten: Mit nur einer Kiste Sekt ließ sich der Schlossherr bestechen. Er gehört wohl zu den größten Jecken. Vom Balkon verkündete die Prinzessin, wie sie sich ihre Regierungszeit vorstellt. Zuvor wurden ihr Schlüssel und Schatztruhe überreicht. Im Schloss gab es ein Defilee, bei dem die Prinzessin auf dem Thron ihre Untertanen empfing.
Bei Musik und Essen wurde der Mittlere Schlosshof Schauplatz eines bunten Faschingstreibens. Freund und Feind feierten den Beginn der fünften Jahreszeit. Vergessen war der Kampf ums Schloss. Selbst Seine Generalität Claudius von Bittner mischte sich mit seiner Eliteeinheit unters Volk. Auch ganz normale Bürger waren dabei.



